INVOLVING SYSTEMS: Access all Knöpfe!

Techno ist Klangkunst. Techno ist für jedermann. Techno ist der erste Schritt zur kulturell-interaktiven Zukunft. Techno soll zum Anfassen sein. Dieser Ansicht ist Sebastian Oschatz, der die eine Hälfte von Oval, einer “Techno-Gruppe” aus Darmstadt, bildet. Er beschäftigt sich mit der Erzeugung von Techno für den dreidimensionalen Raum, den “Wohnton”. Ob er deswegen zur Avantgarde gehört, ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Wichtig ist lediglich, daß Sebastian Oschatz sich mit Karl Kliem und Martin Bolt, von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, zusammengesetzt hat, um ein Gerät, in dem Musik von jedermann gestaltet werden kann, zu entwerfen. Ausprobieren darf jeder, egal ob möchtemal Produzent oder Technophobe. Zum Antasten dieses Multimediaspektakels, namens Involving Systems, besteht am 25. Dezember die Möglichkeit, wenn die Tonträgeralleinunterhalter des Channel HD-800 und Source Records und die Brain Bar der Pyromania Arts Lab zur interaktiven Weihnachtsfeier im Saal des Karlstorbahnhof einladen.

EINE HOUSEBAR FÜR 1997: Little Heaven
In Zeiten wo das Veranstalterdasein höhere Risiken als russisches Roulette verbirgt, kann die Ausdauer einiger Clubs nur bewundert werden. “Gut” und “schlecht” sind auch nicht unbedingt allgemeingültige Werte, die auf einer Erfolgs-Skala prognostiziert werden; “obskur”, hingegen, ist ein Absolut, das sich jenseits von Erfolg und Mißverständnis bewegt, allein durch seine Existenz befriedigt und finanziert wird, und deswegen in den wenigsten Fällen zutrifft. Nur, hat man irgendwann die eigenen Grenzen dessen, was “really strange” ist, gesprengt, kann es schon schwerfallen, neue Richtungen zu finden. Dem Little Heaven in Heidelberg fällt dieses nicht so schwer. Just ask Jerry D.

Dezember ist aber Weihnachten und da man sich sonst nichts gönnt, wird auch bei außerwärtigen Künstlerpools neue Weirdness abgecheckt. Hans Nieswandt (Whirlpool Productions) spielt am 6. Dezember House Muzak, die von Santa Clauz Tänzern animiert wird. Patrick Pulsinger & Erdem Tunakan, Inhaber des cheap Labels aus Wien, werden am 14. Dezember vielleicht nur Otto-Platten oder Aphex Twin auflegen, man weiß es nie; am 19. Dezember fasziniert Radio Bergheim mit seinem endlosen Musikgeschmack bevor unsere Freunde Mason, Mesud & Stevenson und Mucus 2 ihren Platz auf der Bühne nehmen… Und die Klos funktionieren!

DESIRE II: WE WILL, WE WILL ROCK YOU!!
Mit Time Warp Geschwindigkeit befördert Erdzeit 07.12.1996 die englische Ravefirma 2000 AD Productions die deutschen bzw. Rhein-Neckar Junglisten zum zweiten Mal dieses Jahr in die ferne Galaxie namens DESIRE. Ziel dieser zweiten Mission ist die Erforschung des Planetensystems WALZMÜHLE, in der Ludwigshafen Nebula im Rhenius Sektor, um Kontakt mit den nicht so fremden Lebensformen, den Urwald-Germanen, aufzunehmen. Laut Logbuch des für diese Mission ausgesuchten Raumschiffes UKS DESIRE befinden sich in diesem System drei Planete: JUMP UP, DRUM’N’SPACE und AMBIENT SPACE. Diesen 3 Planeten wird jeweils ein handselektierter Bodentrupp zur genaueren Erkundung zugeordnet.

Team 1 besteht aus den besonders fachkundigen Personal Swan E, Nicky Blackmarket, DJ Rap (Proper Talent & Low Key Records), Andy C (Origin Unknown), DJ SS (Formation Records) sowie den Ganjabotanikexperten Hype & Zinc (True Playaz; “Ready or Not!?”) und wird in ihrer Suche nach rollenden Basslines von dem Goanischen Diplomaten, DJ Suck MD, betreut. Team 2 erhebt einen eher wissenschaftlichen Anspruch und untersucht die Wirkung von Breakbeats im Zero-Gravity-Raum. Im Sinne der interterrestrischen Beziehungen werden die Ergebnisse der vorwiegend androiden (Metalheadz) Mannschaft mit den planetsansässigen DJs Jonathan und Tobi ausgewertet. Unter der Leitung des Doc Scott (31 Records), Ed Rush (Prototype & No U-Turn), DJ Lee (Speed Club), Model und der Live Feldtruppe von Adam F (Metalheadz) werden interessante Fortschritte in diesem Gebiet erwartet. Berichterstattung wird von den Dollmetschern: MCs Stevie Hyper D, Fearless und Rage regelmäßig an die Basisstation überliefert. Stefan Ludley (Biology UK) und DJ Spellmaster bilden Team 3 und werden sich ausschließlich mit der beruhigenden Wirkung der Neurowellen und Psychofrequenzen  im virtuellen Ambient Space beschäftigen.

1997: Fast Forward into the FUTURE
1996 war das Jahr in dem Drum’n’Bass endgültig in den dicken Kopf der Öffentlichkeit vorgedrungen ist. Daß das Wort Breakbeat schon immer und ewig in dem Rhein-Neckar-Glossar impregniert war, brauch auch nicht mehr erwähnt zu werden. Daß FUTURE, diese Botschaft zu überbringen als Mission versteht, fällt inzwischen auch in die Kategorie der überflüssigen Informationen. Trotzdem erfreut sich FUTURE daran, ihrem dritten Entstehungsjahr entgegenzublicken. Aus Liebe zu ihrem treuen Kreis von Fans stellen deswegen FUTURE die einzige Silvesteralternative, außerhalb von London, auf die Beine. Im M&S Connexion, in der Kolbehalle, leiten die DJs Sirup, Deejay E (Bassline Generation), DJ Zinc (Ganja Records & True Playaz) und Brockie (Kool FM) zusammen mit MC Det das neue Jahr ein. Für Silvesterverhältnisse liegt der Eintrittspreis von 30,- DM noch im akzeptablen Niveau.

einstein, Das Stadtmagazin – 12/1996 – 01/1997