Nur noch 1369 Tage bis zur Jahrtausendwende und wir machen endgültig Fortschritte. Zwei Wochen vor der Kanzlerrede in Heidelberg tagt das ECBS – das europäische Collegium für Bewußtseinsstudien -, um u.a. die Rolle von psycho-aktiven Substanzen in unserer Gesellschaft zu diskutieren. Wie war das mit „Geschisse-CDU: Die Wahl einer neuen Generation“ noch mal? Die öffentliche Diskussion las sich wie ein Who’s Who der Drogenforschungs und -nutzungsszene. Die Raver, bzw. diejenigen, die Ecstasy gelegentlich nehmen oder mal genommen haben, wurden zu Wort gebeten, sollten ihr Verhalten erklären und unsere Bewußtseinsforscher fanden es doch ganz groovy. Währenddessen vermisste unserer Moderator lediglich das wahre Studio-Feeling.

Während der Rest der Republik sein alljährliches Faschings-/Karnevals-/ Mardi-Gras-(Alp-)traum auslebt, sucht die deutsche Jugend nach anderen Stimulanzen. „We are different“, gel? Da muß halt der altbewährte Stamm(-techno-) club herhalten, um Zuflucht zu gewähren. Ganz besonders trendy erwies sich das Normal während den tollen Tagen, denn  es sorgten nicht nur die närrischen Manchester Djs Cruze und Vuish für gute Stimmung, sondern das Personal ließ sich auch etwas ganz spezielles einfallen: Narrenkappen à la Goa. Say no more!

In dreißig Jahren wird der 1. Mai umbenannt. Statt Tag der Arbeit wird dieser Tag künftig als „Tag der Zipfelmütze“ gelten. Bis dann muß Deutschlands Raverjugend mit „Mayday“ zufriedengeben. Auch dieses Jahr ist da keine Ausnahme: am 30. April ist es dann soweit. Dieses Mal, wie üblich für die April-Ausgabe, wird wieder die Dortmunder Westfalenhalle in, ähmm, Dortmund in eine virtuelle Ravewelt transformiert. Auf hochkarätiges Line-Up wird auch nicht verzichtet, so stoßen zur Mayday X folgende Djs dazu, tief einatmen:  Westbam, Kenny Larkin, DJ Dick, Hardsequenzer, Mate Galic, Andy Düx, Steve Mason, Ellen Alien… Live dabei die formidablen Members of Mayday, Awex und Ken Ishi (was sucht der denn dort?)… Preis (nicht inkl. Verpflegung!) 85,- DM. Bestellfax: 030-327916-99. Aber dafür ist man auch Teil der Bewegung!

Dortmund ist aber sehr weit weg und Rückflüge, sorry, -fahrten sind gefährlich so früh am Morgen! Und wenn etwas mit ähnlichem Kalibre vor der Haustür geschieht, dann kann man auch seine Lokalszene supporten. Sounds of Life ist nämlich wieder da, wieder im Connexion und noch fetter wie zuvor. Ohne Scheiß, dieses Mal ist wirklich für jeden etwas geboten. In 6 Floors wird Wonderful Vision eine Reise durch die vielen Varianten der elektronischen Tanzmusik präsentieren. Im Upper Floor tanzt der Techno-Bär zu den Djs Dag, Colin Faver (GB) und Simon Shurey. Die submaritim Stage grenzt sich von der Spacigen Deko des Upper Floor ab durch eine Unterwasserlandschaft, die von den House Maestros Pierre, Boris Dlugosch und Delicious Dee zum Sprudeln gebracht wird. Für Jungle kann man inzwischen hartgesottene Trance-Fanatiker begeistern, so sind Auftritte von LTJ Bukem, Alex Reece und Jan Sirup keineswegs fehl am Platz. Immer noch nicht underground genug, dann dürften aber Mr. C und die Kraft hinter Detroit, Derrick May, sowie DJ Soundball für einen Ansturm der Technologen sorgen. Im frozen-food compartment werden chillige Leckerbissen von den Djs MoveD und Spellmaster verabreicht und im Jails wird man wohl zum ersten Mal feststellen müssen, daß Lederhosen swing-untauglich sind, wenn die Zulu Soundsystem (DJ Torch & Boulevard Bou) und DJ Kummi eine Melange von Hip-Hop, Rare Grooves, Funk und Acid Jazz spielen.

Überzeugt? Der Preis wird’s tun: VVK 25,- DM und Abendkasse: 32,- DM. Immer noch nicht? Dann hat einstein noch etwas besonderes. Wir verlosen 5×2 Freikarten für diese Sounds Of Life weil wir das ganze auch noch präsentieren! Postkarte (Stichwort: Sounds) an die Redaktion bis zum …..???

einstein, Das Stadtmagazin – 04/1996