Wenn Sie das nächste Mal bei Ihrer Bank vorbeischauen, wundern Sie sich nicht, wenn es aus jeder Ecke fiepst und brummt. Oder, wenn Sie plötzlich vor einem Gerät stehen, das wie in Krieg der Sterne Ihr Kontostand als Hologramm darstellt. Was sich noch heute wie Zukunftsmusik anhört, ist im heutigen Bankgeschäft ansatzweise Realität. Mit neuartigen Internet Terminals wollen u.a. Banken ihre Kundschaft weg vom traditionellen Schalterservice locken, und hinein ins digitale, Online Banking.

Man stelle sich folgende Situation vor: Der langjährige Geschäftskunde will an einem Freitag Nachmittag seine Überweisungen betätigen. Aus irgendeinem Grunde hat er kein Zugang zum Internet. Wir kehren zurück zur Schlange, die nicht viel kürzer geworden ist. Bis ein Mitarbeiter der Bank die Kunden auf ein, für interne Bankgeschäfte, kostenloses Internet Terminal hinweist, wo Überweisungen schnell am PC erledigt sind. Darüber hinaus besteht sogar noch die Möglichkeit, Aktienkurse zu checken, oder E-Mails an Kunden zu versenden. Dies ist nur ein mögliches Szenario, aber eines, das sich zunehmend in der Realität niederschlägt, wie einer der führenden Bank Terminal Hersteller, ascom, bezichtigen kann. Für manche mag vielleicht der Kontakt mit dem Online Angebot einer Bank IN der Bank etwas seltsam vorkommen. Für die Banken, jedoch, bietet diese Möglichkeit, ideale Chancen, „Kunden mit dem Online Angebot vertraut zu machen“.

Die Firma mit Hauptsitz in Frankfurt stellt u.a. für Filialen der Sparkasse Internet Terminals zur Anwendung im Selbstbedienungsbereich her. Ihr neuestes Modell, das „internet“ IMK (interaktiver Multimedia Kiosk) stellt den Höhepunkt ihrer Produktentwicklung in diesem Sektor dar. Auf der Basis des Windows 98 Betriebssystem, mit einer zusätzlichen, darüber gelegten Bedienungsoberfläche, lassen sich alle möglichen, kinderleicht zu bedienenden Anwendungen je nach Kundenwunsch anfertigen: Internet, Finanzsoftware, usw. Oberflächlich gesehen, gibt das Terminal mit seinem Bogen aus Granit, in dem Monitor und Tastatur angebracht sind, einen recht stabilen Eindruck. Aber auch unter der Haube gibt das Informationskiosk einiges her. Gegen Fremdeingriffe ist die Betriebsoberfläche bestens mit einer Zusatzsoftware gewaffnet, sowie gegen Eingriffe gegen die guten Sitten. Werden nicht ganz angepasste Begriffe wie „Sex“ im Browser eingetippt, so sorgt das Terminal, je nach Filterregel und Kundenabsprache dafür, dass die gewünschten Seiten im „gediegenen Bankumfeld“ nicht angezeigt werden. Ebenso kundenfreundlich lässt sich die Verbindung mit dem Internet einrichten, so dass wahlweise zwischen LAN, Modem oder ISDN Anschluss gewählt werden kann.

Einen ähnlichen Ansatz setzen Siemens Nixdorf mit ihren MMD (MultiMediaDisplay) Terminals ein. In den Systemen wird „vorzugsweise Windows NT eingesetzt. Es sind jedoch problemlos andere Betriebssysteme nutzbar“, wie Ralf Zumbrock berichtet. Grundsätzlich setze man bei dieser Art von System auf „offene Architekturen. Es finden ausschließlich Standard-PCs Verwendung. Hier ist es dem Kunden sehr einfach möglich, unsere Terminals in sein vorhandenes Netz zu integrieren.“ Auch im Hardware Bereich lassen sich jegliche Extrawürste reibungslos anbinden: „Einheitliches Merkmal sind Touchscreen und /oder Softkeys. Optional können Drucker der verschiedensten Art und Technologie eingesetzt werden. Ebenso sind auf Wunsch Scanner oder Bezahlfunktionen integriert.“

Auf offene Architektur der anderen Art setzt wiederum die Hamburger Firma MMS (siehe Interview), dessen in Zusammenarbeit mit der Firma Com.Unit entwickelten CUT Terminals ausschließlich auf Linuxbasis operieren, da der Kunde „wegen des “Open Source Modells” vollen Zugriff auf alle Betriebssystemeigenschaften hat.“ Somit wird dieselbe Robustheit wie die eines Warenautomaten gewährleistet. „Weiterhin bietet es hervorragende Remote Eigenschaften, d.h.: komplette Konfiguration des Systems lokal oder Remote über Browser und modulare Softwareupdates über Push/Pull Mechanismen sogar während des Kundenbetriebs.“

Obwohl der IMK Markt, laut einer Studie von Forrester Research, in der Zukunft bloß als „Nischenmarkt“ mit einem Umsatzwachstum auf von derzeit 280 Millionen (1998) auf 1,35 Milliarden Mark (2005) geschätzt wird, erfreuen sich die Haupthersteller trotzdem am wachsenden Interesse ihres Produktes. Die Anfragen kommen aus sämtlichen verschiedenen Industriezweigen. Siemens Nixdorf ist, laut Frost and Sullivan, in Deutschland Nr. 1 und in Europa Nr. 2, was nicht nur dem Bank Geschäft zuzuordnen ist. MMS hat in den letzten Jahren für 1,5 Mio. DM 300 installierte Kiosksysteme in den Markt gebracht, wobei die eingesetzten Bereiche von Banken über Gastronomie bis hin zu Unterhaltung reichten.

Aber nicht nur die verschiedenen Industriezweige, sondern auch die Anwendungsbereiche innerhalb einzelner Industrien variieren häufig. Gerade im Bereich der gezielten Kundenansprache im Banking werden die Terminals in den unterschiedlichsten Feldern eingesetzt und ausgenutzt. Die Sparkasse Neuwied beispielsweise hat ihre Terminals, von ascom geliefert, in ihr Jugendprogramm integriert. In einem separaten Jugendbereich innerhalb der Bank, dem sogenannten Checkpoint, können Jugendliche an den kostenpflichtigen Terminals chatten, E-Mails schreiben, surfen. Das Konzept ist als Ergänzung zur direkten Jugendmarkt Ansprache gedacht und setzt weniger auf das Näherbringen der Jugendlichen mit spezifischen banktechnischen Anwendungen. Dieser Ansatz wird wiederum von der Sparkasse Weinheim z. Zt. getestet. Konzipiert wurde das Terminal vorwiegend zum „Informationsabruf, Online Kontoführung, sowie um Erfahrungen mit dem Internet zu sammeln“. Trotz der Kürze der des eigentlichen Einsatzes – das auf Netscape und UNIX basierende Kiosk befindet sich noch in der Testphase – kristallisieren sich schon beliebte Anwendungen heraus eben in den oben genannten Bereichen Informationsabruf und Kontoführung.

Was die Zukunft bringt, wird heftig prognostiziert. Ein Blick in den aktuellen ascom Katalog verrät viel über die Möglichkeiten, die uns bevorstehen: Großbildprojektionsflächen in verschiedene Möbel eingebettet, Börsenkurse auf LCD Displays und, und, und. Die Firma MMS wird vermutlich in die Bereiche „Internettelefonie, mehr multimediale Eigenschaften (Full Screen Video), sowie Zahlungsfunktion im Internet“ (trotz fehlender Standards) am meisten in den kommenden Jahren investieren. Den größten Markt wittert man jedoch in bankeigene Terminals außerhalb der traditionellen Bankgebäuden.

Computer@Banking [Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart] – 12/1999-01/2000