Willkommen in Hong Kong! Willkommen im Weltsitz der Bourgeoisie! Aber nicht mehr lange, denn der Countdown zur Rückgabe dieser Kronkolonie an das einstige Vaterland, ist nicht mehr aufzuhalten und langsam geht dieser unverschämt-arroganten Sonder-Bastion des Kapitalismus die Spucke aus, mit der sie der letzten kommunistischen Großmacht China so viele Jahre (99 werden es bis zur Übergabe am 1. Juli 1997 gewesen sein) ins Gesicht gerotzt hat. In weniger als 300 Tagen, also, werden sich die Bevölkerung von sechs millionen Menschen und die unzähligen Unternehmen als Teil (oder als Opfer) eines der größten Rückschritte – für die demokratische Bewegung – der jüngeren Geschichte betrachten dürfen. Bewundernswert und unverständlich deshalb die Gleichgültigkeit mit der diese Entwicklung von der breiten Masse der Bevölkerung aufgenommen wird. In Wahrheit, aber, teilt sich die chinesische (genauer gesagt kantonesische) Bevölkerung in zwei unproportional große Lager: die Minderheit der elitären Opportunisten und die Masse der Stoiker. Einzig gleichgültig bleibt den Chinesen das Schicksal der britischen „gwailos“ (Übersetzung: weiße Teufel), die die Abgabe ihrer Herrschaft freiwillig 1984 an die Chinesen unterzeichneten und somit den Ruf als Verräter bekommen haben.

Überhaupt erlebt Hong Kong, im Zuge der bevorstehenden nichtgewollten Wiedervereinigung, eine Kehrtwende der Klischees, die diesen Stadtstaat für die ausländischen Investoren und Banker, die die $ in den Wolkenformationen schon bei der Landung im Kai-Tak Flughafen zu sehen vermeinten, für die konsumgeilen Touristen auf der Suche nach den perfekten Schnäppchen und für die Travellers, die ihre Finanzen auf ihren unendlichen Reisen aufstocken wollten, so attraktiv machten. So wie die Wolkenkratzer steigen die Grundstückspreise in den Himmel, die Banker sprechen alle fließend kantonesisch statt englisch, die Schnäppchen sind nur noch bei den Fälschungen zu machen, und der Arbeitsmarkt, der für die Briten scheinbar noch zugelassen ist, beschränkt sich auf Konstruktionsarbeit und auf die Gastronomie… Verlaß ist letztendlich nur noch auf die Tatsache, daß Hong Kong eine Stadt ist, die nie schläft; McDonalds bedient mit seinen weltweiten Rezepten 24 Stunden lang und das Bier wird in den meisten Bars auf Lan Kwai Fong (die Kneipenmeile Hong Kongs) so lange angezapft, bis der letzte Kunde umfällt.

Unsicherheit im Zuge eines Wechsels der Regierungsform, mit den liberalsten Konzessionsgesetzen auf der ganzen Welt und ein hohes Bruttosozialprodukt, das bald auf ein weitaus nierigeres stoßen wird; wenn man die jüngste Geschichte Europas mit der bevorstehenden Zukunft Hong Kongs vergleicht, können bestimmte Parallelen zum Berlin und Prag der frühen 90’er Jahre nicht abgestritten werden. Perfektes Neuland für eine Klubkultur, um Hong Kongs Jugend heilen Geistes in das Jahr 2000 zu befördern. Bislang setzten sich die Geister bzw. die Obrigkeitsmächte gegen das Errichten dieser hedonistischen Subkultur ein; dennoch schafften es die britischen Clubkonzerne Cream und Ministry of Sound, zu den vielen, in Hong Kong ansässigen, multinationalen Konglomeraten zuzustoßen und erfolgreiche Parties in renommierten, normalerweise für Konferenzen reservierten Locations zu veranstalten. Trotzdem geben in Hong Kong die $ den Ton an und nicht die DJ’s. Selbst die un-chicsten Parties müssen sich den Gesetzen des Sozial-Darwinismus unterordnen: in jeder Hinsicht, also, ein El Dorado für die Massen von Yuppies, die sich hedonistischer und dekadenter verhalten als der feierwütigste Raver. Dementsprechend mißt sich die Qualität der Bars und Clubs nicht an der Musik, sondern an der Auswahl erlesener Biersorten und an der Anzahl der VIPs (nicht umsonst heißt Hong Kongs gratis Club Guide „bcene“-gesehen werden). Am verzweifeltesten sind da natürlich die DJ’s, deren Lieblingsgigs die freien Parties auf der, von der Alternativ- und Travellerkultur beeinflußten, Lamma Island und in der von Abschaum umgebenen Location Neptune’s sind. Und gäbe es nicht die kleinen Inseln im Süden von Thailand, wo der ein oder andere HK-DJ seine Weihnachtsferien verbringen könnte, wäre er schon längst, Schreck laß nach, vielleicht nach England zurückgekehrt!…

TIPS

Nightlife:

Club 97; 9 Lan Kwai Fong; Central; Happy Hour Montag bis Donnerstag 15-18.30 Uhr

Eine der wenigen Gay Club/Bars in Hong Kong. Musikgeschmack eher fortschrittlich für HK-Verhältnisse: zwischen Intelligent Jungle und seichtem US-House.

Joe Banana’s; 23 Luard Rd; Wan Chai; Happy Hour 11 bis 22 Uhr; Mittwochs Cocktails 2-4-1

Die richtige Adresse für Anzüge. Musik pendelt sich auf banalste House bis Euro Dance Musik ein. U.a. die besten Cocktails in town.

Beer Castle; 15-19 Luard Rd; Wan Chai; Happy Hour 18-21 Uhr täglich

Hier bekommt man den Schlips abgeschnitten, den man für Joe Banana’s gerade anziehen mußte. Musik: egal weil die Atmosphäre und der Alkohol hier so flüssig sind. Eine Steigerung ist – bis auf das Vodka-Maß – kaum möglich.

Neptune Disco; Computer Centre; 54-62 Lockhart Rd; Wan Chai; Happy Hour 16-20 Uhr

Beliebter Traveller und Flippo (Kurzform: Phillipino) Treff. Sonntags ab 5 Uhr Vollmond-Goa-Trance vom Koh Pha-Ngan Backyard Resident DJ Lee Burridge. Ethno-wear essentiell!

Bahama Mama’s; 4-5 Knutsford Terrace; Tsim-Sha-Tsui; Kowloon; Happy Hour 18-21 & 0 bis 2 Uhr

Im Zentrum des Touristen-Ghettos Tsim-Sha-Tsui. Deshalb besonders geeignet für alle Taxi-Geschädigte und Gäste im Chungking Mansions. Unterschiedliche DJ-Sets sowie Cocktails aus der Waschmaschine! Freundlichstes Personal in ganz Hong Kong (Beer Castle ausgeschlossen); nach mehr fragen kann manchmal  zum ersehnten Absturz führen.

Zone Café; Empress Plaza; 17-19 Chatham Rd; Kowloon; Happy Hour 21 bis 6 Uhr

Wie feiern die Kantonesen? Beim Würfelspielen im Zone Café natürlich! Aber nur ganz inoffiziell: Wettspiele sind in HK verboten! Börsendealing ausgeschlossen, versteht sich. Deko: chic bis unverständlich kitschig, aber dafür riesige Drinks-Gläser!

Einkaufen:

Hong Kong ist das größte Einkaufszentrum der Welt. Clubwear ist ein dreckiges Wort in dieser modegeilen Metropole. D&G, DKNY, Ralph Lauren, Gaultier, comme des garcons usw. usw. sind in Hong Kong Standardaccessoires, auf die auch geachtet wird. Zu finden sind diese Boutiquen in der Canton Road, Kowloon, und im massiven Pacific Place Einkaufszentrum in Admiralty. Wer das Geheimnis der reich-bekleideten Hong Kong Jugend dennoch lüften will, der begebe sich auf dem Weg zum allnächtlichen Ladies’ Market, nähe Jordan Road, Kowloon… Platten sind fast nicht erhältlich in Hong Kong. Die Musikfachgeschäfte HMV und Tower Records verkaufen ausschließlich eine gute Auswahl an CD’s aus Europa, den USA und China. Wer trotzdem auf der Suche nach Vinyl ist, der findet in DJ Joel Lai’s Laden Rhythm Method, Causeway Bay, eine reichlich kleine Auswahl seiner Lieblings House und Trance Platten. Und daran wird sich in den nächsten 300 Tagen wirklich wenig ändern!