Als die beiden Techno-Musiker Jonas Grossmann und David Moufang am 22. September 1992 in ihrem Studio im Schatten des Heidelberger Schlosses ihre erste CD fertig komponierten, war ihnen schon damals bewusst, welchen Kurs sie damit einlenken würden? Hätten sie jemals gemunkelt, dass sie mit ihrem Plattenlabel Source Records den Olymp der deutschen Techno-Elite erklimmen, dass sie global als Musiklabor ersten Ranges Anerkennung finden, oder zehn Jahre später vor Journalisten einen Fazit der letzten Dekade wagen würden? Wahrscheinlich nicht, auch wenn der Titel ihrer ersten Platte großes im Visier hatte: “From Earth to Infinity”. In unbekannte Dimensionen wollten sie aufbrechen und sich dabei ganz dem Zufall überlassen.

Eigentlich hatten die beiden Musiker aus Heidelberg nur vor, einen Stück zu komponieren. Sie wollten verschiedenste Einflüsse wie Elvis Presley, Led Zeppelin oder John Coltrane in einem elektronischen Musikbrei verrühren und etwas neues schaffen. Wie Moufang resümiert, kam alles ganz anders: “Es ist mehr wie in einem Rutsch entstanden. Wir wollten nur ein Track machen, dann sind gleich sechs entstanden.” Daraus wurde wiederum eine ganze LP, was ihn und seinen alten Schulkollegen Jonas Grossman veranlasste, gleich ein Label ins Leben zu rufen. Mit dem Namen Source, was auf englisch “Quelle” bedeutet, machten sie Programm.

Neue Musik und neue Räumlichkeiten

Auf ihrer zweiten CD, diesmal unter dem Bandnamen Deep Space Network, wagten sie sich weiter in das Ton Kosmos heraus. Die Einflüsse aus diversen Musikstilen waren nicht mehr so offenkundig, dafür nahm das Ganze eine neue Gestalt an: Deutlich entspannter und durchdachter als “From Earth to Infinity” wirkte die CD “Big Rooms”. Ambient wurde 1993 diese Form der ruhigen, sphärischen Musik bezeichnet. Worum es ging bei der Musik? Eine Art musikalische Inneneinrichtung schaffen, die zum relaxen und konzentrieren einlud.

Obwohl Source als Label nicht alleine auf dieser Ambient Welle ritt, so setzten sich ihre weiteren Veröffentlichungen mit ihrer eigenen, akustischen Unterschrift vom Gros der Masse ab. Auch diejenigen CD’s, die nicht von den beiden Labelchefs, sondern in anderen lokalen Mischpulten entstanden sind, waren Teil dessen, was heute für viele Kritiker als das Source Sound schlechthin gilt. Planet Jazz, Redagain P, Elfish Echo, Sad Rockets, lx cortex, und D-Man waren die Pseudonyme derjenigen Künstler, die in und um Heidelberg agierten und langsam aber sicher Source ein Renommee außerhalb der Stadtmauern bescherten. So kürten hochangesehene englische Musikmagazine teilweise mehrere Source CD’s gleichzeitig zu den Lieblingen des Monats und sparten auch insgesamt nicht an Lob.

Von Heidelberg in die weite Welt hinaus

Erst als dann internationale Lieblingskünstler an der Tür klopften, und die Jungs sogar den einen oder anderen eingefleischten Jazzer für ihre Version des Techno gewinnen konnten, war klar, dass sich Source einen Namen gemacht hatte. Viel wichtiger war, aber, dass Source sich jetzt ohne allzu große Expansion weltweit positionieren konnte, ohne jemals das Wort “Globalisierung” in den Mund genommen zu haben. Wie Jonas Grossmann erklärt, “kann man dank moderner Kommunikation und Logistik direkte Verbindungen unabhängig von Entfernungen eingehen. Letztendlich ist es mein Konzept von Globalisierung, dass man aus Heidelberg ein Label genauso betreiben kann wie aus Berlin, London oder New York. Es ein guter Ort zum leben und ein guter ort für ein Label.”

Was allerdings bislang ausgeblieben ist, scheint die breite, lokale Anerkennung zu sein. Im Gegensatz zu Hamburg, London oder Berlin, finden sie in Heidelberg nur regelmäßig bei einer Handvoll Leuten Anklang. Das liegt vermutlich am Mangel an geeigneten Club-Räumlichkeiten, als auch an dem Gesetz der Globalisierung, dass “manchmal ein Unbekannter in Tokio oder Moskau näher ist als der Nachbar daheim”. Wäre dem aber nicht so, dass das Label weltweit Fans hat, könnte sich David Moufang auch vermutlich nur schlecht das Fazit erlauben, dass “der größte Erfolg der ist, dass man noch im Geschäft ist und immer wieder neue Leute kennen lernt.”

Zur Zehnjahresfeier von Source Records wird in der Alten Feuerwache, Mannheim, am Freitag/Samstag, dem 11. und 12. Oktober die Party steigen. Live dabei sind Sutekh, Safetyscissors, Losoul und Malte, Benjamin Wild, Veer. Auflegen werden die DJ’s nd baumecker, D-Man, Bouillabass und natürlich Move D aka David Moufang.