Das Problem mit Batman und der Inneren Sicherheit ist, dass nie wirklich klar wird, auf welcher Seite des Gesetzes der “Dunkle Ritter” steht. Während der Superheld Captain America seine Loyalität zu den USA sozusagen auf der Brust trägt, wandelt Batman in einer Art Grauzone. Mal wird er der Selbstjustiz beschuldigt, mal spielt er den homoerotischen TV-Pausenclown, mal sogar eine Art Fetischist – in den Verfilmungen von Tim Burton.

Publication fluter.de
Date 27-03-2002
Industry Media
PDF Der Terrorist auf unserer Seite

Eine der radikalsten Interpretationen dachte sich der amerikanische Comic-Zeichner und Autor Frank Miller aus, 1986 in dem auf vier Bände angelegten Zyklus, heute nur noch in einem Buch erhältlichen “Batman: Der dunkle Ritter, Die Rückkehr”. Darin kehrt Batman mit gebrechlichen 55 Jahren zu einem Gotham zurück, das sich zu sehr an die zynischen Gegebenheiten des späten Zwanzigsten Jahrhunderts gewöhnt hat: Verbrechen und Macht sind nicht mehr voneinander zu trennen. Auch Batmans Rolle als Retter in der Not hat sich gewandelt. Er wird als blutrünstige Bedrohung angesehen, der am Ende gegen Superman auf Tod und Leben kämpfen muss.

Symbol des gewaltbereiten Widerstands

16 Jahre später und drei Jahre nach der Erzählzeit von “Die Rückkehr” belebt Miller seine Inkarnation von Batman im dem Dreiteiler “DK2: The Dark Knight Strikes Again” wieder. Gerade eben ist der 2. Teil erschienen. Batmans Helden-Rolle hat sich darin noch weiter zugespitzt. Die geballte Faust Batmans, die auch in dem 1. Teil von “DK2” – der im Dezember letzten Jahres herauskam – eine Rolle spielt, kommt als letztes starkes Bild wieder. Mit einem ähnlichen Symbol kokettierten in den USA der Sechzigerjahre die Bürgerrechtler der radikalen Black-Panthers-Organisation. Miller nutzt diesen Verweis, um Batmans wahre Absichten zu deklarieren: Uns vor der Selbstzerfleischung der Spaßkultur zu retten. So existiert der US-Präsident nur noch als virtuelle Grafik in einer riesigen Medienillusion, die nicht mal vor Superhelden Halt macht. Und wieder einmal muss der “Caped Crusader” seinen von Idealismus und Loyalitätswahn geblendeten Widersacher Superman herausfordern.

Helden machen

Einen “Terroristen auf unserer Seite” nannte deswegen Miller diesen Batman in einem Interview, das nach dem 11. September 2001 erschien. Nur, anstatt das Leben Unschuldiger zu fordern, peilt Batmans destruktive Kraft das machthabende Mafiasyndikat L.E.X. an. Damit wird er zu einer Art Bedrohung der Inneren Sicherheit im Namen einer tatsächlichen Inneren Sicherheit. Dass Bruce Wayne, wie Batman mit bürgerlichem Namen heißt, wie alle wahren Helden für seine Ziele leiden muss, gehört fast schon zur Tradition der Vereinigten Staaten. Wie der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau bereits im 19. Jahrhundert in seinem Essay “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” schrieb, werden nämlich die Helden, die “den Staat mit ihrem Gewissen dienen […] von dem Staat als Feinde behandelt.”