In seinem neuesten Roman “Ein Freund der Erde” schildert der amerikanische Autor T.C. Boyle eine durchaus denkwürdige Szene. Auf der Flucht vor faschistoiden Gesetzeshütern nehmen sich die Öko-Terroristen Tyrone Tierwater, seine Tochter und seine zweite Ehefrau in einer idyllischen Waldlichtung eine Auszeit. Während Vater Tierwater die Natur genießt, zücken die beiden Damen ihr Monopoly Spiel und bekriegen sich nach allen Regeln der Kunst.

Publication fluter.de
Date 08-02-2002
Industry Media
PDF Bei Spielgeld hört die Freundschaft auf

Das Bezeichnende daran: Egal wie sehr die Öko-Terroristen gegen das hyperkapitalistische System protestieren, so ganz können sie sich nicht von dem amerikanischem Traum und seiner darwinistischer Habgier lösen. Keine Neuigkeit an sich: Seit Erfindung des Spiels 1934 hat Monopoly 500 Millionen Menschen in seinen Bann ziehen können. Und immer mit demselben Ergebnis: Nur wer seine Mitspieler in den Ruin treibt, gewinnt!

Fast real spekulieren

1995 ein nächster großer Schritt in der Geschichte des Spiels: Von Hasbro Interactive entwickelt, wurde die Mutter aller Wirtschaftssimulationen erstmals als virtuelles Brettspiel auf den heimischen PC gebracht. Die neueste PC-Version “Monopoly Tycoon” von Infogrames geht einen Schritt weiter, indem sie Wirtschafts- mit Städtebausimulation verknüpft, ohne die Grundstruktur des Brettspiels zu verlassen. Auf ein recht hübsches, dreidimensionales Spielfeld muss der Spieler einen Lebens- und Konsumraum für mehrere hundert Bürger schaffen und dabei je nach Spielmodus Profit einfahren, Aktienkurse stärken, sich zum Bürgermeister wählen lassen, usw. In Echtzeit werden Gebäude und Geschäfte gebaut, auf ihre Ausbeute analysiert und sogar nach Belieben wieder abgerissen.

Fünf Gegner sind möglich – ob computergesteuerte oder Konkurrenten aus dem Netzwerk oder Internet – was die Sache dann doch wieder etwas verbissener machen kann. “Monopoly Tycoon” ist nämlich kein Spiel für Schlafmützen. Im Gegensatz zu manchen großindustriellen Betrieben werden flotte Entscheidungen und ein gesunder Sinn für “unsoziale” Marktwirtschaft gefordert. Obwohl nicht ganz so komplex aufgebaut wie andere Wirtschafts-Sims (z.B. Zeus), hat “Monopoly Tycoon” doch das Zeug dazu, jedem etwas zu bieten; vor allem die Möglichkeit, sich als digitaler Großkapitalist nicht gleich im gesamten Freundeskreis unbeliebt zu machen.