Kunst und Transzendenz: Dichotomie oder Einheit? Bedingt das Eine das Andere, oder das Andere das Eine?

Die Frage, die sich hier stellt, ist natürlich ob sich diese Begriffspaare zwangsläufig nur ausschließen oder ergänzen müssen. Aber in einem ähnlichen Verhältnis stehen die Werke von Sachau und Wood eben zueinander. Wenn man ihr Vokabular als Ganzes nimmt, dann merkt man schnell, dass wir es hier mit einer verwandten Syntax zu tun haben. Im Gesamtkontext bergen ihre Formen und Motive sakrale Elemente. So lassen sich in Woods Werk Totempfahlstrukturen und Mandala ähnliche Muster erkennen. Mit ihren Kompositionen aus Ouija-Brett vergleichbaren Spuren und kosmischen Umlaufbahnen spielen ebenfalls Sachaus Arbeiten auf spiritistische Anwendungsgebiete an. Inhaltlich sind diese Werke keineswegs als okkultistische, religiöse, mystische oder sogar esoterische Stücke zu verstehen. Stattdessen geht es unter anderem um eine prozessuale Auseinandersetzung – sowohl auf künstlerischer wie auch auf rezeptiver Ebene – mit metaphysischen Phänomenen, die allesamt physikalisch eindeutig und nachvollziehbar sind.

Dass die Stücke – oder Forschungswerke – von Sachau und Wood nicht aus ein- und demselben Holz geschnitzt sind, lässt sich wiederum ganz klar in der Variation der Werkschau erkennen. Wo bei Sachau minuziöse, elektromechanische Konstruktionen maßgeblich sind, setzt sich Woods Schaffen mit einer bewussten, meditativen Abwesenheit des Bewusstseins auseinander. Während Sachau ganz spezifische Zitate von sonderbaren – und teilweise gefährlich-exzentrischen – Theoretikern aufgreift und präzise untersucht, entzieht sich Wood jeglichen, klar abgegrenzten Referenzen. Und schafft es Wood in seiner Malerei und Skulptur sich universellen Wahrheiten prozessual anzunähern, so höhlen Sachaus Konstruktionen die Manipulationen aus, die partikularen Glaubensbekenntnissen in Sekten zugrunde liegen.

Was bei “Aufstieg und Fall” demnach gezeigt wird, ist ein Zustand, der sich nicht beweisen lässt, aber trotzdem vorhanden ist. Wie der Strom, den Sachau benutzt um seinen Werken Leben einzuhauchen, oder seine Kugel, die invertiert ist, sehen wir nichts, aber doch alles. Ebenso der Prozess, der sich bei Wood abspielt, wenn er ein Gemälde zu seiner Vollkommenheit erfühlt: In ihrer Vereinfachung stellen die Malereien nichts physikalisch Greifbares dar, aber in der Feedbackschleife unserer Rezeption erleben wir mit Wood die simultane Annäherung an Nullpunkt und Unendlichkeit zugleich. “Aufstieg und Fall” zeigt nicht nur, sondern steht selber im permanenten Spannungsfeld. Zwischen Manipulation und Romantik. Abstraktion und Wahnvorstellung. Theorie und Physik. Sektentum und Erleuchtung. Leben und Tod. Gott und Mensch.

So ist die obige Frage, ob sich – zu einer Zeit in der die Naturwissenschaften das Geistliche weitgehend aus unserem Bewusstsein verdrängt haben – Kunst und Transzendenz noch bedingen, ausschließen oder ergänzen ganz einfach zu beantworten. Wie Sachau und Wood zeigen, sind sie gleichzeitig beides. Und nichts.

 

Eröffnung Freitag: 16/04/10, 18.30 Uhr, Sternschanze 1, Hamburg mit einem Vortrag von Dominic Wood: “transcendent field mechanics” (ca. 19.00 – 19.30 Uhr)

Ausstellungsdauer: 17/04 – 24/04/10